Körperdaten als poetisch-kritische Mensch-Maschine-Schnittstelle

In der vorliegenden Projektidee wird die Relation zwischen menschlichem Körper und digitaler Infrastruktur einer kritischen Analyse unterzogen. Hierbei wird der Fokus auf das Spannungsfeld zwischen Harmonie und Dissonanz gelegt, in dem sich diese beiden Elemente befinden. Die Installation veranschaulicht die Auswirkungen algorithmischer Systeme auf die Verarbeitung von Körperdaten, indem sie diese klassifiziert, normiert und bewertet. In diesem Prozess wird das Subjekt zum Datenpunkt. Die Besucher betreten den Installationsraum und tragen Biosensoren am Körper. Die Erfassung, Verarbeitung und Projektion von Herzrate, Atemrhythmus und Bewegung erfolgt in Echtzeit und wird anschließend als generative Projektion in den Raum zurückgespiegelt. Die entstandenen Bilder stellen keine Illustration des Körpers dar, sondern sind vielmehr seine algorithmische Interpretation.
Die Arbeit thematisiert Fragestellungen, die in der gesellschaftlichen Debatte über KI und Körpertechnologien von zentraler Relevanz sind. Die Frage, wem Daten gehören, ist von entscheidender Bedeutung. Es stellt sich die Frage, welche ethischen Normen existieren. Es soll im Folgenden erörtert werden, welche Implikationen sich ergeben, wenn der eigene Körper zur Schnittstelle wird. Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht die Systemarchitektur und vollständigen Signalfluss der Installation. Dieser erstreckt sich von der Sensorik über die Echtzeit-Verarbeitung bis zur Raumprojektion.

Sensortypen erfassen physiologische Signale des Körpers in Echtzeit:

  • Herzrate/EKG: elektrische Herzaktivität über Oberflächenelektroden.
  • Atem: Thoraxbewegung über einen Dehnungssensor (Piezo/Atemgurt).
  • Bewegung: Die Beschleunigung sowie die Lage werden mittels eines 3-Achsen-Accelerometers (IMU) ermittelt.

Auf der zweiten Ebene, der so genannten „Verarbeitung (Echtzeit)“, werden die Signale von einem Mikrocontroller (Arduino/Raspberry Pi) erfasst und in vier Stufen verarbeitet. Zunächst findet eine Signalanalyse statt, bei der die Signale gefiltert, normalisiert und relevante Parameter wie etwa die Herzratenvariabilität, die Atemfrequenz oder die Bewegungsintensität extrahiert werden. Im Anschluss erfolgt ein Datenmapping, bei dem die Parameter in visuelle Dimensionen wie Farbe, Form, Geschwindigkeit oder Dichte übersetzt werden. Schließlich wird die Projektion durch die Generative Engine erzeugt, wobei entweder Processing (Java) oder ein GLSL-Shader in Echtzeit zum Einsatz kommen. Auf der kritischen Ebene wird schließlich die Klassifikationslogik sichtbar gemacht, indem untersucht wird, welche Normalwerte das System zugrunde legt und welche Abweichungen es markiert.

In der dritten Ebene, die den Titel „Raum (Ausgabe)“ trägt, werden die generierten Visuals als Raumprojektion ausgegeben. Dies hat die Erzeugung eines Körperspiegels zur Folge. Die Betrachtenden sehen sich selbst, wobei es sich nicht um eine fotografische Abbildung handelt, sondern um eine algorithmische Interpretation. Das Subjekt transformiert sich zum Datenpunkt, der Raum wird zur Schnittstelle.

Künstlerisches Statement

Die Kreation von „Symbiotic Circuits“ basiert auf einer simplen, jedoch signifikanten Beobachtung. Wearables und biometrische Systeme suggerieren Selbstkenntnis, liefern jedoch lediglich Selbstvermessung. Die Transformation körperlicher Zustände in Datenpunkte erfolgt unter der Prämisse, dass die Träger*innen dieser Normen nicht über die Möglichkeit verfügen, diese zu erkennen oder zu beeinflussen. Die Installation hat die Funktion, diesen Prozess für die Betrachtenden transparent und ästhetisch erfahrbar zu machen. Es handelt sich dabei nicht um eine Kritik an Technologie an sich, sondern um eine Kritik an ihrer Unsichtbarkeit – um die Selbstverständlichkeit, mit der Körper zu Daten gemacht und Daten zu Urteilen werden. In diesem Kontext konstituiert sich das Künstlerische als Erkenntnismethode.

In Abbildung 1 wird die Systemarchitektur (Signalfluss) des Symbiotic Circuits veranschaulicht. Eigene Erstellung (2026).


Titel: Symbiotic Circuits
Kategorie: Interaktive Medieninstallation
Jahr: 2026
Künstler: Henning Pfeiffer
Technologie: Arduino, Raspberry Pi, Processing, Rapid Prototyping, Coding
Praxis: Unterricht und Vorlesungen, Ausstellungen

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